Zerbrochenheit

BetenZeugnisse

Zerbrochenheit
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Schwelgen in der Illusion

Aus meiner spirituellen Vergangenheit weiß ich, dass ich immer erwartet habe, Gott sei ein glückseliger Seinszustand, in den ich irgendwann für den Rest meines Lebens kommen könnte. Dafür lohnte es sich zu meditieren, Übungen zu machen. Ich erwartete, tatsächlich mit Gott zu verschmelzen, ganz in Ihm aufzugehen und dann quasi selbst zu verschwinden.

Und hin und wieder erlebte ich besondere Zustände, die mir bestätigten, auf dem richtigen Weg zu sein. Es waren Zustände der Seele, nicht des Geistes. Da gab es mystische Erhebung, Gefühle von völliger Entgrenzung, von endloser Weite und kosmischem Bewusstsein, von Licht und Liebe. Ein Schwelgen im ausgedehnten Jetzt, manchmal auch in der eigenen Bedeutungslosigkeit – darin dann jedoch wieder bedeutend, weil erwählt. Ein Schwelgen darin, diese phantastische Schöpfung zu sein, Gott selbst zu sein, Fülle zu sein, Frieden zu sein, Liebe zu sein… Ach, in was man alles schwelgen kann….

Seit ich getauft bin und mit Jesus gehe, ist das Schwelgen gar nicht mehr mein Interesse. Das Schwelgen war Vortäuschung, Selbstbetrug und Selbstbefriedigung. Es war ein Auslutschen von Gefühlen bis auf den letzten Tropfen, ein sich Berauschen, Gefühlduselei und ein Anhalten des Lebens, anstatt im Leben und in der Wahrheit weiter zu gehen. Schwelgen war selbstzentriert, machte sich überaus wichtig, blähte sich zu einer Bedeutung auf, die es in Wahrheit nicht hatte. Gott war nicht darin. Es machte sich groß, größer als Gott. Es hatte den Charakter von Drogen. Und es war auf der Gefühlsebene.

Wahrheit des Herzens

Gott jedoch ist Geist, und die Verbindung mit Ihm wird im Geist gewebt und im Geist gehalten. Mein Geist tastet nach Seinem Geist, nach dem Untastbaren, im Glauben und ohne Beweis durch Gefühle. Es ist die Ausrichtung auf den Gott, von dem ich weiß, dass Er da ist, ohne dass ich Ihn spüren kann.

Das ist aus meiner heutigen Sicht für mich der Unterschied zwischen Mystizismus und echter Beziehung. Ich gehe eine Beziehung ein, ohne Beweis. Ich will diese Beziehung, ohne die Sicherheit zu haben gehört zu werden oder Antwort zu bekommen. Ich vertraue auf den Gott der Bibel und auf Sein Wort. Und in diesem Vertrauen gehe ich weiter. Dieses Vertrauen und meine geistige Ausrichtung gibt Gott die Möglichkeit zu mir zu sprechen. Es schafft das Band. Und dies ist im Grunde ganz schnörkellos. Durch Ansprache, durch Gebet, durch ein Beten in der Wahrheit des Herzens kann Gott zu mir kommen – zu meinem Geist, und von da hinein ins Herz.

Zerbrochenheit

Die Verbindung zu Gott beginnt mit der eigenen Zerbrochenheit. Wir sind doch hilflos ohne Ihn. Wir können nichts aus uns selbst tun. Wir sind Abhängige!

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Ich öffne Ihm mein Herz, zeige Ihm, offenbare Ihm meine Hilflosigkeit, meine Verzweiflung, meine Fehlerhaftigkeit. Ich bitte Ihn um Hilfe, weil es mir einfach nicht gelingt, aus mir heraus, aus meiner eigenen Anstrengung heraus ein besserer Mensch zu werden.

Ich werde vielleicht niemals dieser bessere Mensch sein, niemals die Version, die ich sein könnte. Und wenn ich in dieser ehrlichen, wahren Zerbrochenheit vor Ihm stehe, geschieht das Wunderbare: Er wendet sich mir zu und nimmt mich in die Arme. Meine Verzweiflung gibt Ihm die Möglichkeit, mich zu trösten.

Ohne diese echte Zerknirschtheit und Zerbrochenheit wäre das nicht möglich. Das ist kein einmaliges Geschehen, sondern kann nach gründlicher Selbsterforschung mit Hilfe des Heiligen Geistes sogar oft sein. Die menschliche Seele hat viele Abgründe.

Das sympathische Nervensystem sieht rot

Ich falle hin. Ich erschrecke vor meiner eigenen Bosheit. Es ist mir noch immer nicht gelungen, ein guter Mensch zu werden oder zu sein. Ich bin betrübt, ich möchte mich selbst ausspucken. Manchmal sind da so viele Urteile und Stolz, und ich kann machen was ich will, immer wieder muss ich erkennen, wie schlecht ich bin. Ich kenne nur die Flucht nach vorn: Jesus!!!!! Hilf mir!

Ich weiß, wie Gott sich den Menschen gedacht hat. Es steht in der Bibel. Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Und vor allem: Liebe mich, deinen Gott! Doch was tue ich? Ich reite auf dem Pferd meines Eigenwillens und vergesse hundert Mal am Tag, meinen Herrn zu fragen, was Er denn möchte, was ich tun soll! Statt dessen reagiere ich impulsiv und aus meinem gottlosen Ego heraus, mache aus meinem Herzen eine Mördergrube, will hassen, will Vergeltung, will alle weg ekeln, will die Furie raus lassen…

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Ich kenne diesen Zustand. Immer wenn mich etwas getriggert hat, so dass mein Nervensystem in den Kampfmodus geht. Die Dämonen wollen jetzt Klavier auf mir spielen. Meine Amygdala befiehlt: entweder Kämpfen oder Erstarren oder Wegrennen. Auch wenn da gar kein Feind ist. Es ist der Zustand, in dem die ‘himmlischen Herrscher der finsteren Welt” leichtes Spiel mit mir haben. Dieser Teil des Nervensystems ist autonom und uralt – aus der Steinzeit. Irgendwas, irgendeine Begebenheit hat meinen Sympathikus eingeschaltet, und ich kann ihn selbst nicht ausschalten. Das Adrenalin läuft auf Hochtouren, der Blutdruck steigt, und an Schlaf ist kaum zu denken.

Aber Jesus kann es, das weiß ich und habe ich schon oft erlebt. Also halte ich still und warte ab, bis ich endlich beten kann.

Oh happy day….

Als erstes bitte ich den Heiligen Geist, alle dämonischen Geister zu verbrennen mit Seinem Heiligen Feuer, die mich attackieren. Das darf ich, weil ich Jesus mein Leben gegeben habe und Er mir eine neue Identität in Ihm geschenkt hat. Das hilft oft schon ein großes Stück weiter. Dann gebe ich Jesus mein verdorbenes gottloses Ego ans Kreuz, damit es endlich stirbt. Und dann bitte ich und bete und werfe mich Jesus vor die Füße – so lange bis Er mich aufhebt.

Das klingt vielleicht mittelalterlich und für meine Ex-Eso-Freunde wahrscheinlich abstoßend oder kindisch oder religiös. Doch es hat null und nichts mit Religion zu tun, denn es ist Beziehung. Die Beziehung mit meinem Gott. Denn Er erbarmt sich. Er beugt sich zu mir und nimmt meine Hand und berührt mein Herz in einer unsagbaren Tiefe. Wie ein Vater sein Kind auf die Arme nimmt und tröstet, wenn es sich weh getan hat, so vergibt und tröstet Jesus, der Heilige Geist und der Vater. Dann ist Frieden da und Wahrheit, Echtheit, Beziehung von Gott zu Mensch und Mensch zu Gott – von Herz zu Herz.

Der Stimmungsumschwung ist eklatant. Ich kann wieder lieben. Die Sonne scheint wieder. Die Anderen sind gar nicht mehr die Bösen, sondern ich kann sie sogar verstehen. Ich sehe sie plötzlich mit milden Augen und kann kaum glauben, wie sich meine Stimmung und Haltung binnen Minuten so drehen kann. Wo ich mir noch die Nacht mit üblen Gedanken um die Ohren geschlagen habe, keinen Ausweg wusste – nund nun habe ich wieder tiefen Frieden und Sicherheit IN IHM.

Der Spuk hat ein Ende

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Es ist ein Spuk, und es ist kein Spuk. Wir leben in einer gefallenen Welt. Ohne Jesus ist es widerliche schmerzhafte Wirklichkeit, voller potentiellem Streit, voller Konfliktsucht, überall Hass, überall Leid. Hoffnungslos.

Mit Jesus ist dies alles schlichtweg ausgelöscht, wie nicht vorhanden. Jesus steht auf einer Ebene, auf der es dies alles nicht gibt – keine Konflikte, keinen Hass, keinen Minderwert, keine Angst. Und ich bin bei Ihm, Er in mir und ich in Ihm – ganz einfach.

Und es gibt gar nichts zu schwelgen, da ist einfach nur eine unbeschreibliche Freude darüber, dass Gott sich wieder einmal durch diesen unglaublichen Umschwung in meinem Herzen und in meinem Geist zeigt. Das ist kein Beweis, aber ein unübersehbarer und beeindruckender Nachweis. Gott beweist sich (immer wieder) in Seiner Wirkung, nicht in einem Seinszustand. Und vielleicht kann das nur verstehen, wer das auch erlebt und erfährt, und wer diesen Gott kennen lernen will.

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Will ich meine Wahrheit sehen, muss ich zumindest für eine Zeit den Stolz ablegen und wenigstens zu mir selbst ganz ehrlich sein. Kann ich so wie ich bin vor einem heiligen, strahlenden, herrlichen Gott bestehen? Es braucht Selbstbeurteilung und Ehrlichkeit.

Würden Putin und Zelensky (und… und… und…) sich in ihrer persönlichen Wahrheit und Schlechtigkeit vor dem Gott der Bibel beugen, ihre Mangelhaftigkeit einsehen und Jesus vor die Füße legen – es könnte in dieser Welt alles ganz anders sein.

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