Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit;
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen;
21 Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden.Galater 5, 19-21
Das Feisch – was ist das eigentlich?
In der Taufe geben wir unseren Körper ins Wasser, was symbolisch für den Tod des alten Menschen steht. Stehen wir aus dem Wasser auf, so steht das symbolisch für die Wiedergeburt, für den „neuen Menschen“.
Unter Christen spricht man häufig nicht vom „alten Menschen“, sondern vom „Fleisch“, wenn die alte Natur wieder durch bricht – auch Paulus hat sie so genannt. Ein Satz von Jesus wurde zum geflügelten Wort: „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach“. Wir sind zwar neu geboren, doch die ganze Veränderung geschieht schrittweise und mit der Zeit.
Je nachdem, wie nah wir uns an Jesus halten, stirbt die alte Natur schneller oder langsamer – je nachdem wie sehr wir uns darum bemühen, wie sehr wir danach streben, unsere Reaktionen im bewussten Fokus zu haben, uns selbst zu beurteilen inwieweit wir unserem Vorbild und Lehrer wirklich entsprechen – was unsere Gedanken, Gefühlen, Handlungen und Motive betrifft.
Das sogenannte Fleisch hat sich aus überkommenen, gewohnheitsmäßigen Denkweisen gebildet, die durch Emotionen ausgelöst werden. Daraus folgt dann auch wie wir handeln – leider meist unkontrolliert, impulsiv und deshalb destruktiv. Es ist der Teil von uns, der sich aus Egoismus heraus ohne Gott entwickelt hat.
Das Fleisch springt gerne im Dreieck, tickt gerne aus, schert alles über einen Kamm. Es macht uns Angebote und bietet uns jeden Strohhalm, alles an irdischen Möglichkeiten, irgendwie Recht zu bekommen. Es will Rache, Genugtuung, (scheinbaren) Sieg und (scheinbare) Befriedigung an. Doch wenn wir ihm wirklich folgen, hat es einen sehr, sehr schlechten Nachgeschmack. Es wird uns niemals glücklich machen. Ganz im Gegenteil.
Das Fleisch – Wo kommt es her?
Unser Fleisch, also diese Verhaltens- und Denkweisen des alten Menschen, sind einst als Reaktion auf schmerzhafte Erfahrungen entstanden. Diese hatten – oft bereits in der Kindheit – den Sinn, unser Ego vor der psychischen Zerstörung zu bewahren. Menschen haben uns verletzt, haben uns manipuliert, vielleicht geschlagen, eingeschüchtert. Sie haben unseren Selbstwert beleidigt, wir hatten vielleicht den Eindruck, jemand will uns vernichten.
Nahezu alle Menschen sind auf irgendeine Art und Weise traumatisiert – Insofern haben unsere instinktiven Reaktionen, sich aus ganz konkretem Überlebenswunsch heraus zu wehren, uns geholfen, psychisch einigermaßen gesund und stabil durchs Leben zu kommen. Wir kannten Gott noch nicht und konnten uns nicht an Ihn wenden. Jemand, der uns schlecht behandelte, bekam unseren Hass und darauf folgend Stolz. Und so reagiert man instinktiv auch heute noch.
Im Erwachsenenalter sind die Dinge (meist) nicht mehr dermaßen bedrohlich, wir könnten eigentlich gelassener sein… Doch das Reptiliengehirn feuert so, als sei es lebensbedrohlich und als gäbe es kein Morgen. Es liegt auf der Hand, dass – wenn wir diesen Impulsen folgen – wir damit nichts Gutes anrichten. Vielmehr sind die Folgen negativ, es führt zu immer mehr Egoismus, in letzter Konsequenz zu Einsamkeit und verhindert echte und tiefe Beziehungen.
Das Fleisch – warum bricht es hervor?
Neue Erfahrungen im Jetzt, die unser Unbewusstes an alten Schmerz erinnern, triggern das „Fleisch“, es schlummerte vorher und kommt nun – ausgelöst von gewissen Worten oder Verhaltensweisen von Menschen, zu denen wir in Beziehung stehen – an die Oberfläche. Es verhält sich wie ein plötzlich ausgebrechender Vulkan. Es will explodieren, Lava spucken. Es bebt und grollt. Es sind Urgewalten der Seele, die sich Bahn brechen wollen. Schließlich geht es scheinbar ums Überleben.
Das Fleisch – die Symptome des Ausbruchs
Irgendeine Begebenheit, irgendwelche Worte, irgendein schiefer Blick, etwas Verletzendes wirft uns schnell und nachhaltig aus dem Frieden. Es bilden sich endlose Gedankenketten, innere Diaoge von Argumenten, um sich zu rechtfertigen, warum das derzeitige Denken über ein Problem ganz sicher gerechtfertigt ist. Wir diskutieren innerlich mit dem Kontrahenten, wir fühlen uns völlig im Recht und sinnen vielleicht gar auf Rache – in jedem Fall denken wir über kurz- oder auch langfristige Konsequenzen nach.
Diese Gedankenketten zwingen sich uns auf. Sie folgen meist schnell und unvermittelt auf kleinere oder größere Verletzungen durch andere Menschen – Menschen, die uns zumeist nahe stehen und denen wir nur schwer ausweichen können, weil wir mit ihnen durch unsere Lebenssituation verknüpft sind.
Das Fleisch – sein Ziel
Unsere alte Natur versucht alles, um uns vor erneuten Verletzungen zu schützen und zu bewahren. Doch dabei schießt sie meist weit über das Ziel hinaus. Da wir aus dem Stammhirn (Reptiliengehirn) heraus getriggert wurden, und der Sympathikus die Regie übernommen hat, gehen wir sofort in den Kampf- Flucht- oder Verteidigungsmodus.
Wer uns angreift, mit dem können wir nicht in liebevoller Beziehung sein, deshalb ist eines der Ziele des Fleisches, diese Beziehung zu beenden, also entweder wegzulaufen, sich zu verteidigen und gar selbst anzugreifen und zu kämpfen.
Da all das völlig instinktiv abläuft, haben wir darüber nur sehr schwer Kontrolle. Wenn wir also zu sehr aus dem Fleisch heraus agieren, ohne uns zu bremsen, geht das auf Kosten unserer Beziehungsfähigkeit. Man kämpft schließlich nicht mit Freunden. Davon abgesehen verletzen wir dann auch andere Menschen mit Worten und Taten, zum Teil sogar schwer, und geben somit unsere eigenen Traumata weiter.
Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, so biete ihm auch die andere dar;
und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Hemd nehmen will, dem lass auch den Mantel;
und wenn dich jemand nötigt, eine Meile weit zu gehen, so geh mit ihm zwei.Matth. 4, 39-41
Gottes Wunsch ist es jedoch unbedingt, dass wir Menschen im Frieden miteinander leben und uns gegenseitig keinen Anlass zu Wut oder Hass bieten. Der unbewusste Wunsch des Fleisches ist es, das zu verhindern und uns aufzustacheln.
Das Fleisch – wer steckt in Wirklichkeit dahinter?
Das Wort „Reptiliengehirn“ ist da schon sehr vielsagend. Die Reaktionen kommen aus dem Stammhirn. Ein Krokodil lauert bewegungslos, bis es sich geräuschlos nähert, zuschnappt und sein Opfer verschlingt. Die Schlange in der Bibel, die dazu geführt hat, dass wir heute noch immer in einer gefallenen Welt leben – sie ist ein Reptil. Und die Schlange als Symbol für satan zeigt uns deutlich, wer eigentlich dahinter steckt.
„Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“
(1. Petrus 5,8)„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“
(Johannes 10,10)
Das Reptiliengehirn löst den ersten Reflex aus dem Getriggertsein entspringt, der verteidigen, erstarren oder angreifen will. Das limbische System ist dem nachgeordnet und liefert daraufhin die passenden Gefühle wie Angst, Wut oder Panik. Diese Gefühle verleiten uns zu Reaktionen, die zumeist weit über das Ziel hinaus schießen.
Wir können uns beim kleinsten Anlass angegriffen, missachtet und einfach verletzt fühlen, und sofort springt der ganze Mechanismus an und fordert oft Konsequenzen, die in keinem Verhältnis zur Ursache stehen.
Das Fleisch – sein Ende
„Zürnet ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel.“
(Epheser 4,26–27)„Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.“
(Epheser 4,31)„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ›Du sollst deinen Nächsten lieben‹ und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“
(Matthäus 5,43–44)„Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ›Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.‹“
(Römer 12,19)„Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger; und ihr wisst, dass kein Totschläger das ewige Leben bleibend in sich hat.“
(1. Johannes 3,15)
Wir müssen uns klar machen, dass die impulsiven Reaktionen nicht aus dem Geist (nicht von Gott), sondern im Grunde aus unserem Fleisch kommen. Satan und seine Dämonen nutzen diese Muster, um uns Gedanken einzuspielen, die unsere Beziehungen zerstören sollen, und die uns daran hindern sollen, wieder in die Liebe zu kommen.
Ebenso verführt uns satan dazu, unsere Beziehungen leichtfertig aufs Spiel zu setzen, z.B. durch Untreue, sexuelles Verlangen. Dämonen spielen uns verführerische Gedanken und Bilder ein, die – wenn wir ihnen folgen – zu immer neuen Verletzungen führen.
Das Töten des Fleisches, wie es Paulus empfiehlt, ist ein immer wieder kehrender Prozess, der „Heiligung“ genannt wird. Es hat sein Äquivalent, sein Vorbild in Jesus Christus, der am Kreuz geopfert wurde. Er gab Seinen Körper hin und kämpfte nicht für Sein Recht. Statt dessen opferte Er Seinen Körper für ein höheres Ziel, nämlich uns wieder mit Gott zu verbinden. An uns liegt es nun, diesen Zustand dauerhaft einzuüben.
Wenn wir Gott darum bitten, wird unsere Bewusstsein vom „Fleisch“, sowie dem damit zurammenhängenden Wirken der Dämonen, immer klarer werden! Sobald wir erkennen, dass gewisse Reaktionen und Gedanken aus dem Fleisch kommen, beginnt unsere „Arbeit“, und die ist ganz leicht:
Wir bitten Jesus Christus darum, diese Gedanken, diese Reaktionen weg zu nehmen, uns davon zu befreien – denn Er hat uns Seine Hilfe versprochen.
„Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden.“
(Markus 11,24)
Unser Anliegen, unsere Bitten, unsere Gebete sollten natürlich mit dem Willen Gottes übereinstimmen. Nur dann wird Er auch darauf reagieren. Deshalb ist es von Vorteil, die Schrift, das Wort Gottes, die Bibel immer besser kennen zu lernen, damit wir Gottes Willen für uns kennen lernen und dem folgen können – so wie es Jesus getan hat.
Das Gebet mit der Bitte, die fleischlichen Reaktionen weg zu nehmen, kann ganz kurz sein, es kann ein Stoßgebet sein, es kann gesprochen werden, mit Stimme oder nur in Gedanken. „Vater, bitte, du hast in der Bibel gesagt: bittet und ihr werdet es empfangen, deshalb bitte ich dich darum, diese Gedanken weg zu nehmen und mir wieder Deinen Frieden zu schenken. In Jesu Namen, danke!“
Natürlich müssen wir das möglicherweise mehrmals tun, aber es ist wichtig, dass wir es tun, weil wir an die Wirkung Gottes in unserem Leben glauben, weil wir auf IHN hoffen – dann wird es auch so kommen!
Das Fleisch – die Zeichen für unseren Sieg
Hast du eine gute Beziehung zu Gott, hast du dich bereits ganz für Ihn entschieden, dann wird Gott auch wirken. Und wenn Er wirkt, dann geschieht es, dass die schlechten Gedanken wie ein Spuk verschwinden, und zwar so nachhaltig, dass wir uns kaum mehr an die Zusammenhänge erinnern können. Plötzlich sind uns auch all die Argumente entfallen, die wir vorher hatten. Das innere Streitgespräch ist versiegt.
Nur tue jetzt bitte eins nicht: Hole es nicht wieder zurück!!! Zwinge dich nicht dazu, alles wieder hoch zu kochen! Denn wenn es im Meer des Vergessens versunken ist, soll es auch da bleiben, denn es ist eine Gnade von Gott. Wir sind Seine Kinder, und Er schenkt uns Sein Wesen. Deshalb können wir uns Gott zum Vorbild nehmen:
„Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil;
der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten
und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“
(Micha 7,18–19)
Es sind immer nur temporäre Siege, doch je länger wir das einüben, je öfter wir dagegen angehen, umso mehr wächst auch unser Vertrauen in Gott und Seine Wirkkraft, und umso seltener werden diese Attacken. Wir lernen unser Fleisch immer besser kennen und können es so immer besser in Schach halten, bis es eines Tages unten auf dem Meeresgrund bleibt.
Unsere Beziehungen gewinnen dadurch an Liebe und Tiefe. Wie können liebevoller miteinander umgehen. Wir wissen, dass ein Jeder genau das gleiche Fleisch hat und können deshalb auch leichter vergeben. Wir sind nicht mehr nachtragend oder beleidigt. Dieser Prozess versetzt uns in die Lage, einander zu vergeben.
Am allerbesten ist es natürlich, wenn man mit Demjenigen, der einen verletzt hat, gemeinsam beten kann, um Gott das Problem vorzutragen, und den Vater um Seine Lösung zu bitten. Dann werden wir ganz sicher nicht satan folgen.
Unser Fleisch immer wieder zu opfern macht uns demütig und leise. Und es ist nicht nur ein Opfer, sondern auch immer ein Gewinn. Denn das Kreuz steht symbolisch für die Hingabe an Gott. Es ist ein Austauschort. Wenn wir unser Fleisch vor Gott bekennen und Ihn um Hilfe bitten, dann ersetzt Er all das Negative nach und nach mit Positivem. Er stärkt uns dann im Geist und schenkt uns mehr und mehr die „Früchte des Geistes“.
„Die Frucht aber des Geistes ist
Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“
(Galater 5,22–23)

Bilder: Chatgpt bzw. Gemini